Wer die Verdi-Melodie ins Spiel brachte…

Der herrliche Satz

Das bis zur Tantiemenbefreiung abgestandene Liedgut von Pippo Verdi zum offiziellen Hymnus von Hertha BSC machen zu wollen, zeugt von einer Phantasielosigkeit, die dem Geist der VIP-Loge verpflichtet ist und sich selbst für gutes Management hält.

des Schiedsrichtergespanns erinnerte mich an die Entstehungsgeschichte der „HERTHA-Hymne” (Covertext) Blau und Weiß. Diese wurde mir vor kurzem aus Kreisen, die meinem Truncus cerebri zugeordnet werden, zugetragen.


Sommer 2008, die Europameisterschaft ist vorüber, man befiindet sich mitten in der Bundesligapause und bevor sich die Mitarbeiter in den Urlaub verabschieden versammelt die Geschäftsführung alle Abteilungsleiter zu einer strategischen Besprechung. Nachdem verschiedene Themen abgearbeitet wurden bringt der größte Manager aller Zeiten einen Punkt auf den Tisch, der ihm schon lange unter den Nägeln brennt. Zu gern hätte er zwei Jahre zuvor die Berliner Band Seeed dazu veranlasst, einen Song für und über Hertha BSC zu schreiben. Dies war jedoch an der Forderung des Leadsängers Pierre Baigorry (inzwischen solo als Peter Fox erfolgreich) gescheitert, der ein Engagement vom Verbleib Yildiray Bastürks abhängig machte.

GröMaZ: „Meine Herren, Sie wissen, wir wollen schon lange eine neue Stadionhymne, mit der sich wieder Geld verdienen lässt. Und wenn Seeed es nicht machen will, muss sich doch jemand anders finden, der aus Berlin stammt und sich bei den jungen Leuten einer Beliebtheit erfreut. Haben Sie Vorschläge?“

Schweigen in der Runde. Verlegen gehen die Blicke auf den Tisch, keiner will dem Vorsitzenden in diesem Moment in die Augen schauen. Doch der lässt nicht locker: „Da muss es doch jemand geben, der einen echten Hit schreiben kann!“
Und plötzlich bricht es aus seinem designierten Nachfolger heraus: „Ja, sowas wie bei der EM –  dieses Da Da Dadah Da Da Dah! Sie wissen schon, beim Einlauf der Mannschaften.“

Eilig wird eine Sekretärin beauftragt, den Titel dieses Liedes zu recherchieren. Kurz darauf weiß die Runde: es heißt Seven Nation Army. „Und, nun schauen Sie doch mal, wer hat den Titel komponiert?“ fragt SdN. Schnell findet die Sekretärin die Antwort: „Ein gewisser Jack White.“

GröMaZ sitzt plötzlich ganz aufrecht in seinem Stuhl. Die ansteigende Röte in seinem Gesicht deutet seine Erregung an. Doch es folgt nicht der sich dadurch üblicherweise ankündigende Wutanfall: „Jack White? Natürlich – Jack White! Ja, der hat sowas drauf. Denken Sie nur an Fußball ist unser Leben, das ist doch ein echter Kurvenhit. Und wissen Sie, was das Beste ist? Ich habe Jack erst letztes Wochenende bei einem Empfang in Zehlendorf getroffen.“

Schon hat die emsige Sekretärin die Rufnummer der Jack White Productions AG herausgesucht, selbige gewählt und reicht ihrem Chef den Hörer. Doch welche Enttäuschung, dort gibt es nur die Auskunft, dass Jack White schon ein Jahr zuvor entlassen wurde.

Aber GröMaZ ist jetzt in seinem Element. Er erinnert sich an Jack Whites Namen aus alten Fußballertagen und tatsächlich findet sich unter „Nußbaum, H.“ ein Eintrag in seinem Handy. Zitternd vor Aufregung trifft er nur mit Mühe die Wählen-Taste. Während es klingelt läuft der alte Hasselhoff-Hit Looking for Freedom als RingUp-Ton und dann meldet sich auch schon der ehemalige TeBe-Präsident persönlich.

GröMaZ schildert ihm kurz die Idee einer neuen Stadion-Hymne für Hertha BSC, mit der sich natürlich viel Geld verdienen ließe, wenn sie nur eingängig genug sei. Er schmeichelt White, lobt ihn für seine tollen Songs – besonders „dieses EM-Lied“. Der Musikproduzent hat zwar keine Ahnung, was damit gemeint sein könnte, aber diese Chance auf einen Chart-Hit nach vielen Jahren ohne will er sich natürlich nicht entgehen lassen. Ein Blick in seinen Terminkalender verrät ihm, dass außer einem Abendessen mit seiner Frau am selben Tag keine weiteren Termine für den Rest des Jahres vorliegen, also steht einer Zusage nichts im weg. Schnell ist man sich einig und beide Seiten überbieten sich plötzlich mit Ideen: zeitlose Melodie, die Mannschaft soll singen usw. usf.

Der Rest ist Geschichte: der Gefangenenchor aus Nabucco wird die Melodie, einen Text schreibt jemand wie Jack White schneller als ein Gelsenkirchner sein Hartz IV ausgibt, und Whites Tonstudio steht ohnehin fast immer leer. Also tritt in der Saisonvorbereitung die Mannschaft im Studio an und anschließend dürfen auch noch ein paar Fans ins Mikro gröhlen – beide Spuren schaffen es zwar nicht in die endgültige Version des Liedes, aber dennoch ist es so schön geworden, dass es das einzige bleibt, das im Olympiastadion stets mit voller Lautstärke abgespielt werden muss darf.

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